Anstelle der alten Prinzipien „schneller, besser, schöner, mächtiger“ wird zukünftig gelten: bewusster, verbundener, achtsamer.



Von Marius Schulze Beiering

Es ist schon ein eigenartiger Reflex, dass in Krisenzeiten einige Marktakteure sofort lauthals nach „Staatshilfen“ verlangen, wenn es mal nicht so gut läuft. Die Muster kehren immer wieder und bereits bekannte und gescheiterte Maßnahmen (ansonsten verteufelte Eimischungen in den freien Markt!) sollen es wieder richten. Nur ein Webfehler im System?
Ist es systemrelevant, dass wir immer schneller, immer mehr vom Gleichen bekommen? Reicht es nicht langsam? Haben wir nicht genug davon? Wann ist genug genug?

Mit welcher Berechtigung verdienen die Beschäftigten in der Automobilbranche eigentlich mehr Lohn als Beschäftigte, die soziale Dienstleistungen für Menschen(-leben) erbringen? 

Ich denke, dass es an der Zeit ist umzudenken!  . . . WEITERLESEN




Von Sorge und Fürsorge in Corona-Zeiten.

Das Corona-Virus zeigt seine ganze unerbittliche Härte gegenüber der Schwächsten der Gesellschaft – der chronisch Kranken und der Alten. In dieser Krise offenbaren sich drastisch die Versäumnisse der Politik: Ein kriselndes System steht vor dem totalen Zusammenbruch. Keine Schutzkleidung in Sicht, kein Personal. Während Spargel und Erdbeeren gerettet werden – mit tausenden aus dem Ausland eingeflogenen Hilfsarbeitern – verrichten Pfleger ihren Dienst am Menschen ohne Schutz, weil die Politik es nicht schafft, Schutzausrüstung zu besorgen, und es rechtswidrig versäumt hat, welche zu lagern. Angehörige bangen, Heimbewohner verlieren sich in Einsamkeit. Pflegekräfte sind in größter Sorge und schultern noch mehr Verantwortung als ohnehin. Es ist die Verantwortung, die Politik und Gesellschaft der Pflege aufgebürdet haben.
 
Jetzt heißt es sich abriegeln, Hygiene bis unter die Decke hochfahren, beten und hoffen – und, wenn möglich, sich selbstständig zu behelfen. Doch nach Corona ist die Zeit gekommen, das Recht auf echte staatliche Fürsorge für die Schwächsten der Gesellschaft von der Politik lautstark einzufordern. Damit unsere Alten wohlbehalten sind. Damit sie sicher sind. 

Zugleich sind wir alle nach Corona in der Pflicht, unsere Alten wieder in unsere Gemeinschaft aufzunehmen. Die Zeit ist reif, neue Modelle des Miteinanders und Füreinanders zu entwickeln und fest zu verankern – mit neuen inklusiven Strukturen in den Kommunen, Nachbarschaftsmanagern und der Verteilung der Verantwortung auf alle vorhandenen Schultern.
 
Sind wir in Sorge, dann sind wir ängstlich, können nicht klar denken. Denn die Sorge bedrückt und lähmt uns. Doch die Fürsorge, die ist kraftvoll. Die weiß, was zu tun ist. Die packt an und tut das Richtige. Und: sie fühlt sich gut an.
 
 Unsere Lesempfehlung zu diesem Thema: 
Patientenvertreter zu Todesfällen in Altersheimen
„Kaskade der Verantwortungslosigkeit“
In Alten- und Pflegeheimen hat es zahlreiche Todesfälle gegeben. Die Verantwortung sieht Patientenvertreter Eugen Brysch in der Politik: Die Fürsorgepflicht für die Alten wurde nicht ernst genommen.
Ein Interview von Michael Fröhlingsdorf.
Mehr unter spiegel.de: https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/coronavirus-patientenvertreter-eugen-brysch-zu-todesfaellen-in-altersheimen-a-a6515cc8-e019-4fcc-a794-f23b78bae8d2